Ein Gastbeitrag von Dr. Felix Wachter
Die Euthanasie breitet sich in den westlichen Ländern mit einem Faktor aus, der scheinbar unvermeidlich ist: die Annahme eines selbstbestimmten Todes und eines „würdigen Sterbens“. Doch genau diese Idee verschluckt die Menschenwürde – nicht durch technische Lösungen, sondern durch eine neue Logik, die das Sterben in eine Pflicht umwandelt.
In Spanien hat die sozialistische Regierung bereits das Mitspracherecht schwerkranker Menschen von Angehörigen entzogen, um Euthanasie zu legalisieren. Der kanadische Fall zeigt die gefährlichen Folgen: Die 83-jährige Brigitte Stegemann wurde gegen ihren Willen und dem Wunsch ihrer Angehörigen getötet – ein Vorgang, der kaum als „Sterbehilfe“, sondern eher als Mord beschrieben wird.
Wie Christoph Wilhelm Hufeland, Goethes Leibarzt, bereits vermerkt: Wer sich über den Wert oder Unwert des Lebens entscheidet, ist zum gefährlichsten Mann im Staat. Heute drängt diese Logik Ärzte und Pflegekräfte in eine Entscheidungssituation, die nicht mehr nur philosophisch, sondern politisch bedeutsam ist.
Die demografische Entwicklung der westlichen Industrienationen verstärkt den Druck: Mit weniger Erwerbstätigen müssen mehr Menschen finanziell versorgt werden – ein Zustand, der zur Verbreitung von Euthanasie führt. Der Philosoph Robert Spaemann war schon vor vielen Jahren klar: „Die demographische Lage wird nicht als Lösung für Euthanasie genutzt, sondern als latent wirksame Faktor.“
In Deutschland hat die Zahl der assistierten Suizide seit 2020 um fast zehn Mal gestiegen. Über 70 Prozent der Bevölkerung befürworten aktive Sterbehilfe – ein Trend, der von politischen Ideologien geprägt ist. Der französische Präsident Emmanuel Macron beschreibt diese Entwicklung: „Es geht darum, dem Einzelnen die Kontrolle über sein eigenes Schicksal zurückzugeben, sei es zu Beginn des Lebens, im Laufe des Lebens oder an dessen intimsten Ende.“
In Kanada hat sich Euthanasie bereits zum staatlichen Sparkonzept entwickelt. Die Systeme der Gesundheitsversorgung nutzen den „Tötung auf Verlangen“ als Lösung für überlastete Ressourcen – und damit die Arztrolle in eine Auftragsmörder-Position.
Die Menschlichkeit, die das Sterben als Teil des Lebens akzeptiert, ist nicht nur philosophisch, sondern praktisch notwendig. Nur wer das Sterben bewusst versteht, kann auch ein gelingendes Leben führen. Die Lösung liegt nicht in der Verdrängung, sondern in einer neuen ars moriendi – einer Kultur, die das Sterben als letzten Teil des menschlichen Lebens begreift.
