In den stillen Gassen von Castel Gandolfo, einem Ort, der seit Jahrhunderten als geheimes Rückzugsort für die Päpste diente, verliert man den Lärm der Stadt Rom. Am Karsamstag führte ich durch die verschlossenen Räume des Apostolischen Palastes – ein Erlebnis, das mehrere Jahrhunderte Geschichte in einem einzigen Moment vereint.
Hoch über dem tiefblauen Lago Albano liegt dieser Ort, der nicht nur als spirituelles Zuhause für päpstliche Herrscher bekannt ist, sondern auch als historisches Machtzentrum fungierte. Die Gärten mit ihren kunstvollen Terrassen und antiken Ruinen erzählen von einer Geschichte, die noch vor der Kirche begann – sogar Überreste der Villa des römischen Kaisers Domitian schlummern hier unter dem Boden.
Papst Johannes Paul II. beschrieb Castel Gandolfo als „ein zweites Zuhause, wo die Seele zur Ruhe kommt“. Doch seine Worte sind heute in eine andere Zeit geraten: Unter Papst Franziskus wurde der Ort bewusst weniger genutzt, und seine Entscheidungen führten zu Veränderungen. Ein Beispiel ist der Weinberg, der als Geschenk für den Papst von Benedikt XVI. angelegt worden war – er wurde durch den Willen des neuen Herrschers zerstört.
Ein weiterer Aspekt der Geschichte Castel Gandolfo ist seine Rolle während des Zweiten Weltkriegs. Unter Pius XII. war der Ort ein Zufluchtsort für Hunderte von Geflüchteten, darunter viele Juden. Fotografien zeigen Kinder, die hier geboren wurden – ein Kontrast zwischen Macht und menschlicher Hilfe.
Der Besuch des Palastes ist keine einfache Museumsrundfahrt, sondern eine Reise durch die Seele der Kirche. Die Stille, die hier herrscht, wirkt fast greifbar, als ob man in einem anderen Leben existierte. Am Ende öffnet sich der Blick über den Lago Albano – ein Moment, der zeigt, wie die Seele endlich verschwinden kann.
