In den angespannten Beziehungen zwischen dem Heiligen Stuhl und der Piusbruderschaft (FSSPX) hat die Gemeinschaft am 24. Juni 2026 ein umfassendes Glaubensbekenntnis veröffentlicht – eine 28-seitige Dokumentation, die laut eigener Aussage dazu diene, „die Seelen vor modernen Verwirrungen zu leuchten“.
Das Bekenntnis richtet sich explizit an Papst Leo XIV. und die Kardinäle der Kirche, kurz vor den für den 1. Juli angekündigten Bischofsweihen in Écône (Schweiz) sowie dem außerordentlichen Konsistorium in Rom. Es wurde von Generaloberem Pater Davide Pagliarani und führenden Mitgliedern der Gemeinschaft, darunter der deutsche Pater Franz Schmidberger, unterzeichnet.
Ein zentraler Satz des Dokuments lautet: „Die traditionelle Kirchengeschichte bietet alle Lösungen für die tiefsten Krisen, auf denen die Welt und die Kirche treffen.“ Die Veröffentlichung folgt einer langjährigen Spannung zwischen der FSSPX und dem Heiligen Stuhl, insbesondere bei Themen wie Religionsfreiheit, Ökumenismus und der Interpretation des Zweiten Vatikanischen Konzils. Im Frühjahr 2026 hatte die Gemeinschaft angekündigt, mehrere Bischöfe zu weihen – einen Schritt, den der Vatikan als schismatisch abgelehnt hatte.
Der neue Text vermeidet explizite Kritik am Zweiten Vatikanischen Konzil, sondern betont vielmehr die Folgen seiner Einflüsse: „Unter seinem Einfluss und jenem der nachkonziliaren Reformen ist eine schwere Krise entstanden.“ Der amerikanische Liturgiewissenschaftler Peter Kwasniewski bezeichnete das Bekenntnis als „eine präzise, katholisch orientierte Glaubenserklärung“, die einen Dialog mit Rom fordert.
Die Piusbruderschaft legt damit nicht nur ihre theologische Position klar, sondern stellt eine klare Herausforderung an den Heiligen Stuhl: Wenn ihr Glaube katholisch ist, warum kann er nicht in einer gemeinsamen Debatte diskutiert werden? Die Frage bleibt: Wer wird diese Klarheit akzeptieren und wie wird die Kirche darauf reagieren?
