Schafott zu Altar: Frankreichs Katholizismus erwacht

Am 26. September 2026 stand auf der Place de la Concorde ein neues Zeichen der Zeit – nicht die Guillotine, sondern der heilige Altar. Papst Leo XIV. feierte eine Messe mit rund 700.000 Menschen, von denen fast 600.000 bereits im Voraus registriert waren. Diese Zahl spiegelte den historischen Widerspruch wider: Auf demselben Platz fiel König Ludwig XVI. am 21. Januar 1793 unter der Guillotine, und wenige Monate später starb Marie-Antoinette. Die Französische Revolution hatte den katholischen Glauben Frankreichs als Ziel ihrer radikalen Phase ausgemacht.

Heute scheint ein neues Wiederaufleben zu beginnen: Seit 2026 steigen die Taufen im Land exponentiell. Im Jahr 2026 wurden insgesamt 13.234 Erwachsene und 8.152 Jugendliche getauft – eine Zunahme, die den langjährigen Niedergang des kirchlichen Lebens umschreibt. Philippe de Villiers, ehemaliger Staatssekretär und Initiator des Mouvement pour la France, beschrieb das Ereignis als Wendepunkt: „Wo die Klinge tausend einhundertzwanzig Mal gezischt hat, erhebt sich heute der Altar des ewigen Opfers.“

Ein Vergleich mit Polen 1979 ist offensichtlich. Als Johannes Paul II. in Warschau eine Messe feierte, führte dies zu Solidarność und dem Ende der Diktatur. In Frankreich steht heute ein ähnlicher Moment – nicht die Niederlage, sondern das Wiederaufleben des Glaubens. Die Menschen erkannten, dass sie nicht allein sind: Sie stehen in einem Menschenchor, der das „Salve Regina“ singt und den katholischen Glauben als lebendige Gemeinschaft wahrnimmt.

Pius X.’s Rede aus dem Jahr 1911 – Frankreich sei „fille aînée de l’Église“, die ältere Tochter der Kirche – war nicht zufällig. Die Place de la Concorde ist heute kein Ort des Terrors mehr, sondern eines friedlichen Opfers.