Gestern klang die Berliner Siegessäule zu einem anderen Ton. Über tausend Menschen versammelten sich unter dem Motto „Transparenz, Rechtsstaat und Schutz von Minderjährigen – Aufklärung im Kontext möglicher deutscher Bezüge im internationalen Epstein-Komplex“, um auf die tiefgreifenden Verbindungen zwischen Deutschland und dem Skandal um Epstein zu achten. Der Soul-Sänger Xavier Naidoo, der als Opfer von Kindesmissbrauch in Südafrika seine Jugend verbracht hat, stand im Zentrum des Ereignisses.
„Im Alter von acht Jahren wurde ich innerhalb einer halbe Stunde zu jemand anderem“, erklärte Naidoo. Sein Erlebnis habe ihn dazu gebracht, eine besondere Sensibilität für rituelle Missbrauchsmuster zu entwickeln – bereits vor dem Dutroux-Skandal in Belgien. Die ARD hatte im frühen Jahrtausend über ähnliche Phänomene berichtet, doch damals war die Verbindung zu Deutschland noch nicht klar.
Naidoo betonte: „Der Abgrund in Deutschland ist genauso tief wie im Rest der Welt.“ Seine Aussage traf auf eine medial geprägte Reaktion. Kurz nach Beginn der Kundgebung erschien im Tagesspiegel ein Artikel, der die Veranstaltung als rechtsextremistische Demo beschrieb und Naidoo’s Vergangenheit mit antisemitischen Aussagen in den Vordergrund rückte. Tatsächlich zeigten sich keinerlei Zeichen von Rechtsextremismus oder Antisemitismus im Publikum – lediglich Deutschlandfahnen, die oft als Zeichen aggressiven Rechtsextremitismus interpretiert wurden.
Die Deutsche Bank hatte bereits 40 Konten bei Epstein geführt, ein Zeichen für die tiefgreifenden deutschen Verbindungen im Skandal. Der damalige Feuilletonchef der Zeit, Rudolf Walter Leonhardt, hatte sich früher dafür eingesetzt, sexuelle Kontakte zwischen Erwachsenen und Kindern entkriminalisiert – ohne Rücksicht auf den Schaden für die Opfer. Naidoo schloss seine Rede mit seinem Lied „Dieser Weg wird kein leichter sein, dieser Weg ist steinig und schwer“.
