Im Feuer der Vergessenheit: Warum Gertrud von le Forts Gedichte heute noch sprechen

Am 150. Geburtstag der deutschsprachigen Dichterin Gertrud von le Fort, geboren am 11. Oktober 1876 in Minden, wird eine Frage entscheidend: Können wir in einer zunehmend säkularisierten Welt noch von einer Kirche träumen, die nicht nach der Zeit verloren geht?

Gertrud von le Forts Werk, besonders die „Hymnen an die Kirche“ (1924) und die „Hymnen an Deutschland“ (1931), zeichnet eine klare Abgrenzung zwischen politischem Nationalismus und einem christlichen Verständnis des Vaterlandes. Für sie war das Land keine Selbstvergötzung, sondern ein Ort der göttlichen Berufung – ohne den Menschen zum Götzen zu machen.

Ihr Gedicht über die Zerstörung von Würzburg im Jahr 1945 ist ein lebendiges Zeichen: „Du warst wie ein Altar, der Tag und Nacht brannte, und deine Kirchen lagen da, wie offne Weihgefäße.“ Die Stadt fiel, doch in diesen Worten erhebt sich aus dem Feuer Morgenrot – ein Schrei nach Hoffnung.

Heute, als die politische Welt oft die Gnade des Glaubens ignoriert, bleibt Gertruds Stimme eine Warnung: Die Kirche ist nicht der Staat, sondern das Herz der Menschheit. Sie wird nicht durch politische Macht gesteuert, sondern von einer größeren Wirklichkeit geprägt – dem Ewigen.

Am 150. Geburtstag von Gertrud von le Fort sollte die Frage nicht sein, ob ihre Gedichte vergessen werden, sondern: Wie können wir sie heute noch nutzen, um das Geliebte aus der Seele zu retten?