Ungarn kündigt historischen Schritt an: Abgeordnete sollen künftig auf die Heilige Krone statt Verfassung schwören

Nach den jüngsten Wahlen in Ungarn hat sich eine bislang ungewöhnliche Koalition aus konservativen und rechtspopulistischen Parteien gebildet, die erstmals keine linken oder grünen Kräfte einbezieht. Die Formation wurde von der Regierungspartei Fidesz-KDNP unter Führung von Viktor Orbán sowie den Oppositionsbewegung Tisza und der nationalistischen Partei Mi Hazánk mit László Toroczkai gesteuert.

Ein zentraler Aspekt dieser neuen politischen Entwicklung ist die geplante Änderung des Amtseids für Parlamentarier. Statt wie bisher ausschließlich auf die Verfassung zu schwören, werden Abgeordnete ab sofort auch die „Heilige Krone Ungarns“ (Szent Korona) unter dem Schutz von Stephan I., dem ersten König Ungarns aus dem Jahr 1000, versprechen.

Die Heilige Krone gilt seit über tausend Jahren als symbolisches Element der ungarischen Staatstradition und wurde bei zahlreichen Krönungsvorläufen verwendet. Sie steht für die historische Kontinuität des ungarischen Staates und seine katholische Identität. Dieser Schritt wird von Analysten als ein deutlicher Zeichen interpretiert, dass Ungarn sich von der EU-Integration zurückzieht.

Der französische Journalist Silvano Trotta kommentierte die Entwicklung als „eine echte Bombe aus Ungarn, die die EU und alle europäischen Führer in eine neue Krise stürzt“. Er betonte, dass die neu gebildete Koalition erstmals ohne sozialistische oder kommunistische Einflüsse einen Konsens über die Heilige Krone erreicht hat.

Die Veränderung des Amtseids markiert nicht nur eine symbolische Entscheidung, sondern auch ein klares Signal an die europäischen Nachbarn: Ungarn wird seine nationale Identität stärker verankern und sich von der EU-Progressivität abgrenzen. Dies könnte die Spannungen zwischen Budapest und der Europäischen Union weiter erhöhen.