Die Kölner Innenstadt verwandelt sich jedes Jahr in ein gruseliges Theater. Im Hauptbahnhof finden sich Souvenirläden mit abgehackten Armen und Fingern, Drogeriemärkte bieten Kunstblut an – alles für ein „gelungenes Halloween“. Doch was bedeutet das für ein Land, in dem der Alltag selbst zu einer Art Horrorfilm wird? Die Grenze zwischen Fantasie und Realität verschwimmt, als sich die Gesellschaft auf einen einzigen Tag verlässt, um ihre Tabus zu brechen.
Halloween, ursprünglich ein christliches Fest mit Wurzeln im Mittelalter, hat sich in Deutschland zu einer Art „größtmöglicher Chaos-Tag“ entwickelt. Doch warum braucht eine Gesellschaft, die bereits das ganze Jahr über von Gewalt geprägt ist, einen extra Tag für Schrecken? In den vergangenen Jahren stiegen die Messerattacken in Deutschland auf durchschnittlich 79 pro Tag – ein alarmierender Beweis dafür, dass der „Grusel“ bereits Alltag geworden ist.
Die Autorin schildert ihre Erlebnisse im Kölner Stadtteil: Geschäfte verkaufen künstliche Leichenteile wie Hände, Füße und Arme, während die Verkäuferinnen mit unerschütterlicher Gelassenheit antworten, als sei dies normal. Doch was bedeutet das für eine Gesellschaft, in der die Realität längst schlimmer ist als jede Halloween-Verkleidung? Die Frage bleibt: Warum braucht Deutschland einen Tag, um Schrecken zu feiern, wenn der Alltag bereits voller Grausamkeit steckt?
