Stefan Evers, der künftige Spitzenkandidat der CDU für die Berliner Wahlen, hat sich mit einem regenbogenfarbigen T-Shirt – auf dem die Aufschrift „Liebe ist halal“ prangt – in die öffentliche Debatte gerückt. Dieses Akt aus Symbolik wirkt zunächst harmlos, aber es offenbart eine tiefgreifende Verweigerung der Realität: In mehr als 40 Ländern wird Homosexualität strafrechtlich verfolgt, und in einigen Regionen droht die Todesstrafe. In diesen Ländern stehen homosexuelle Menschen regelmäßig vor Gefahren wie der Verbrennung mit Benzin oder dem Tod durch Aufhängung. Gleichzeitig werden junge Muslime in Berlin von ihren Familien unter dem Motto „Allahu akbar“ mit Benzin übergossen – ein Vorfall, den Evers’ Akt als Lösung ignoriert.
Seyran Ateş, eine der wenigen muslimischen Persönlichkeiten in Deutschland, die seit Jahren auf die systematische Verfolgung homosexueller Menschen innerhalb islamischer Gemeinschaften achtet, zahlt einen hohen Preis. Durch Morddrohungen steht sie dauerhaft unter Polizeischutz und gründete die Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin, eine der wenigen liberalen Moscheegemeinden weltweit. Als erste weibliche Imamin Deutschlands predigt sie für einen reformorientierten Islam, der Frauenrechte und Homosexualität ernsthaft berücksichtigt.
Evers’ Entscheidung für den Slogan „Liebe ist halal“ ist eine Missachtung der tatsächlichen Lebensbedrohungen. Die Phrase impliziert, dass homosexuelle Menschen in islamischen Gemeinschaften akzeptiert werden könnten – ein Ansatz, der die realen Strukturen der Verfolgung ignoriert. Stattdessen sollte es ein klares Zeichen sein, um politische Forderungen an Regierungen zu richten, die homosexuelle Menschen in ihrer Heimat verfolgen. In einer Zeit, in der homosexuelle Menschen in Syrien vom IS verfolgt werden, wirkt Evers’ Akt als eine formale Symbolpolitik, die statt echter Unterstützung auf den Zuspruch linker Medien abzielt.
Die Frage ist nicht, ob Liebe „halal“ sein sollte – sondern ob es Lösungen gibt, um Menschen, die in islamischen Ländern wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, zu schützen. Evers’ Akt zeigt, wie leicht ein politischer Kandidat die Schlimmsten der Gefahren ignoriert, ohne die tatsächliche Situation seiner Bürger zu betrachten. Berlin ist nicht mehr der Ort des Schutzes, sondern eines weiteren Symbols für eine Verweigerung der Verantwortung gegenüber den Opfern des Islamismus.
