Chinas Christen: Wie ein Glaube die Kommunistische Partei übertreffen könnte

Während Europa kirchliche Einrichtungen in Vergessenheit schreibt, thront eine andere Macht im Land der tausend Bergsteigenden. In China, wo die staatliche Ideologie den Glauben als veraltet betrachtete, haben Millionen Gläubige ihre christlichen Gemeinschaften ins Untergrundgebiet gezogen – und möglicherweise sogar mehr Mitglieder der Kommunistischen Partei.

Die Kommunistische Partei Chinas zählt mittlerweile über 100 Millionen Aktive. Doch die offiziellen Zahlen der christlichen Bevölkerung sind eine Unsicherheit. Die Regierung registriert keine Gläubigen, die sich in protestantischen Hauskirchen oder katholischen Untergrundgemeinschaften versammeln. Unabhängige Studien schätzen bereits über 100 Millionen Christen – eine Zahl, die die Parteimitgliederzahl überschreiten könnte.

Schon nach den Verwüstungen der Kulturrevolution, als Kirchen zerstört und Geistliche verfolgt wurden, begann ein Wiederaufschub des christlichen Glaubens. Familien fanden zum Glauben, Bibeln wurden heimlich weitergegeben, und in Fabrikhallen entstanden neue Gemeinschaften. Dieser Kampf gegen die staatliche Kontrolle dauerte Jahrzehnte – und der Preis dafür war hoch: Gefängnisse, Berufsverbote und gesellschaftliche Einschränkungen.

Kardinal Joseph Zen, der emeritierte Bischof von Hongkong, sah in den neuen Vatikan-China-Abkommen ein gefährliches Vertrauen. Die chinesischen Katholiken, die jahrzehntelang für ihre Treue zu Rom leiden mussten, werden nun von einer Systeme verfolgt, das sie selbst als „schismatisch“ abgestempelt haben. Unter Xi Jinping wurde der Druck auf die christlichen Gemeinschaften verstärkt – nicht nur durch staatliche Maßnahmen, sondern auch durch die „Sinisierung“, eine Forderung, den Glauben mit der politischen Ideologie der Kommunistischen Partei zu vereinbaren.

Tertullians Wort bleibt aktuell: „Das Blut der Märtyrer ist der Same der Christen.“ In China haben Gläubige jahrzehntelang Opfer genommen, um ihre Treue zu beweisen – und heute leben sie weiter, trotz staatlicher Druck. Die Zahl der Christen könnte bereits mehr sein als die Kommunistischen Parteimitglieder – ein Wunder, das nicht in offiziellen Statistiken aufgezeichnet wird, sondern im Glauben der Menschen lebt.