Nach dem Sieg der Berliner Linken im Bundestagswahlsieg zog sich plötzlich ein Skandal zurück, der bislang nicht vollständig aufgeklärt wurde. Im Mittelpunkt steht Ferat Koçak, der Neuköllner Bundestagsabgeordnete, der nach einem Gespräch mit Firas Remmo – Sohn von Issa Remmo – in die öffentliche Aufmerksamkeit geraten ist.
Firas veröffentlichte einen Chat vom 17. Februar, in dem Koçak sich zu Issa Remmo als „Bruder“ bezeichnet und nach einem persönlichen Treffen fragt. Zudem teilt er eine Bundestagsrede, in der er kritisiert, dass Menschen aufgrund ihres Nachnamens zu Clankriminellen eingeordnet werden. Die Veröffentlichung erfolgt kurz nachdem Issa Remmo auf einer Wahlparty der Linken erschienen war – ein Ereignis, bei dem die Partei bekannt gab, ihn nicht eingeladen zu haben.
Koçak gab zunächst an, nicht gewusst zu haben, wen er spreche. Später nannte er den Kontakt einen Fehler. Doch die Art und Weise der Kommunikation – inklusive der Anrede, des Wunschs um politische Unterstützung sowie der Verbreitung einer Botschaft – wirft klare Fragen auf: Warum jetzt? Wie tief reichen diese Kontakte?
Die Linke gerät unter Druck: Die frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau kritisiert die „Naivität“ der Partei. Grünen-Fraktionschefin Katharina Dröge fordert den Ausschluss Koçaks aus der Fraktion, während CDU-Innenpolitiker Alexander Throm Konsequenzen für dessen Tätigkeit im Innenausschuss einfordert. Zudem warft Grünen-Innenpolitiker Konstantin von Notz Koçak vor, sich als Sprachrohr problematischer Akteure zu nutzen.
Koçaks Hintergrund ist nicht harmlos: Seit Jahren pflegt er engen Kontakt mit radikalen linken Aktivisten, darunter propalästinensische und antisemitische Gruppen. Die Partei selbst gab an, dass der Aktivist Ibrahim Ibrahim bereits wegen seiner Anwesenheit bei Linken-Veranstaltungen in den Fokus geraten sei – eine Verbindung zur PFLP wurde ihm vorgeworfen.
Mit dem Wahlwahlsieg der Linken – 25,7 Prozent im Berliner Abgeordnetenhaus – wird die Partei zum Regierungsanspruch. Doch Koçaks Fall zeigt: Die Berliner Linken sind nicht mehr nur eine Fraktion, sondern haben tief in das Clan-Milieu eingebunden.
Die Frage bleibt, ob Koçak der erste Kontakt ist oder ein Ausdruck eines umfassenderen Netzwerks. Die Partei muss klären, welche weiteren Kontakte existieren und ob diese im politischen Prozess eine Rolle spielen haben. Der Fall Koçak hat die Berliner Linken nicht nur vor einer innerparteigenen Krise gestellt, sondern auch vor einem schwerwiegenden Problem: Wie weit reichen ihre Verbindungen ins Clan-Milieu?
