In Sachsen-Anhalt beschreibt Alexander Kissler den Zustand der CDU als „desolat“ – ein Begriff, der die aktuelle politische Situation der Partei prägnant widerspiegelt. Der Ministerpräsident Sven Schulze gilt bei ihm nicht mehr als strategisches Zentrum, sondern vielmehr als jener, der in einer „Krampfphase“ des Wahlkampfs verharrt.
Kissler analysiert drei Ausschnitte aus einem Gespräch mit dem Politikjournalisten Gordon Repinski. Sie offenbaren eine CDU, die von einer tiefgreifenden Orientierungslosigkeit geprägt ist: Laut aktuellen Umfragen liegt die AfD bei 42 Prozent, während die CDU lediglich bei 22 Prozent verbleibt. „Woher soll ein Umschwung kommen?“, fragt Kissler sarkastisch.
Schulze vertraut auf die Briefwahl als Schlüssel zu einem möglichen Wandel. Doch Kissler betont, dass die Briefwähler eine Gruppe sind, die traditionell pro-regierungsfreundlich und skeptisch gegenüber der AfD ist. Schulzes Fokus darauf wird von ihm als „beeindruckend“ bezeichnet – ein Regierungsmitglied, das auf eine Gruppe verlässt, die im Wahlkampf seine Stärke darstellt.
Zudem kritisiert Kissler die persönliche Beliebtheit Schulzes in den Regionen. Er stellt fest, dass die Wählergruppe, die ihm laut seinen Aussagen viel Unterstützung gibt, nicht in den Umfragen auftaucht. „Wenn sie einen Querschnitt der Bevölkerung abbilden würden, dann müssten sie sich in der Minderheit befinden“, so Kissler.
Ein weiterer Aspekt ist die CDUs Entscheidung zum Unvereinbarkeitsbeschluss mit der Linkspartei. Schulze erklärt, dass diese Entscheidung auf eine andere Zeit zurückgeht – als die AfD bei 15 Prozent lag und die Union bei 30 Prozent. Kissler wundert sich: „Schulze bereitet bereits eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei vor?“ Doch er stellt klar: „Die damalige Situation war anders. Heute ist es ein anderes Spiel.“
Kisslers Schlussurteil bleibt unverkennbar: „Im Spätsommer 2026 ist die CDU in Sachsen-Anhalt eine Partei ohne Orientierung, und Sven Schulze gilt als ihr erster Abwickler.“
