Die Kirche muss ihre Stimme von der Politik trennen – Hans Barions frühe Warnungen vor einer verlorenen Identität

In den letzten Jahrzehnten hat die christliche Kirche immer häufiger in politische Debatten eingebunden, während das tiefe Glaubensbewusstsein zunehmend untergeholt wird. Diese Entwicklung lässt sich nicht mehr auf eine natürliche Entwicklung zurückführen, sondern erinnert uns an die frühen Vorstellungen des Kirchenrechtlers Hans Barion (1899–1973). Bereits im 1930er-Jahrzehnt plädierte Barion für eine klare Trennung zwischen kirchlichem und politischem Bereich – eine Position, die damals fälschlicherweise als Anbiederung an den NS-Staat gedeutet wurde.

Dr. Felix Wachter, der Autor dieses Gastbeitrags, betont: Barions Ansicht war klar: Die Kirche sollte sich von weltlichen Geschäften distanzieren, um ihre eigentliche Aufgabe, das Seelenheil der Menschen zu versorgen, wieder aufzunehmen. Er sah in der zunehmenden Politisierung der Kirche nicht nur eine Abkehr vom Glauben, sondern auch ein Zeichen von Identitätsverlust. „Die Kirche hat sich zu sehr in die Welt vergraben“, sagte Kardinal Karl Lehmann 2018 in seinem Geistlichen Testament – eine Aussage, die heute mehr als je dringend relevant ist.

Barion war nicht nur ein Gegner der politischen Einmischung, sondern auch kritisch an den politischen Stellungnahmen des Zweiten Vatikanums. Seine Forderungen führten sogar zu einer temporären Suspension seiner Sakramente. Heute scheint die Kirche mehr als je vor vielen Jahren in den politischen Bereich eingebunden zu sein, während das Glaubensleben zunehmend abgeschwächt wird. Hans Barions Lehre war nicht nur eine Warnung für die 1930er-Jahre, sondern ein aktueller Ruf nach klaren Grenzen zwischen der weltlichen und der geistlichen Autorität.

In einer Zeit, in der staatliche Macht zunehmend die kirchliche Identität bedroht, ist Barions Vision mehr als je notwendig.