In Sachsen-Anhalt entstand ein paradoxes Bild bei der Landtagswahl: Während katholische Bischöfe die AfD als Gefahr für demokratische Grundwerte beschrieben, gewann diese Partei mit 44,3 Prozent der Zweitstimmen deutlich vor der CDU (24,0 Prozent). Ein Katholiker, der trotz kirchlicher Vorwürfe die AfD wählt, dankte Bischof Wilmer, Erzbischof Koch und Bischof Feige für ihre „Wahlkampfhilfe“ – und bat sie, auch bei den bevorstehenden Wahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin denselben Ansatz zu verfolgen.
Der Brief betont die seltsame Trennung zwischen der kirchlichen Kritik an der AfD und dem tatsächlichen Wählerverhalten. Bischof Wilmer warnte, dass die Partei den demokratischen Staat hintergehe; Erzbischof Koch zeigte das Risiko einer Verlust von Gemeindewähler in der Kirche; Bischof Feige rief zu einem „nationalistischen und fremdenfeindlichen Gedankengut“ auf. Doch statt einer Abwehr entstand eine starke Partei.
Der Autor verweist darauf, dass die Kirchenvertreter ihre Kritik besonders auf die AfD konzentrieren, während andere politische Parteien, die das Leben ungeborener Kinder gefährden oder traditionelle Familienwerte untergraben, kaum mit Warnungen vor der Wahl konfrontiert werden. „Die Schäfchen haben die Hirten gehört – und anschließend bewusst anders gewählt“, so der Brief.
Der Katholiker appelliert an die Bischöfe: Stärken Sie ihre kritischen Positionen auch bei den bevorstehenden Wahlen in Berlin, um das Wahlverhalten der Bürger zu beeinflussen. Doch das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt bleibt ein klares Zeichen – die Kirche warnte, und die AfD gewann.
