KI-Systeme sind keine Wahrheitsquellen – Eine Gefahr für unsere Gesellschaft

Im digitalen Raum gewinnen KI-Systeme an Bedeutung, doch ihre Zuverlässigkeit bleibt fraglich. Während sie in Alltagsthemen oft brauchbar sind, offenbaren sich bei komplexeren Themen deutliche Defizite – oft mit katastrophalem Ergebnis für die Informationsqualität.

Ein konkretes Beispiel verdeutlicht diese Unzuverlässigkeit: Bei der Anfrage nach der Anzahl der algerischen Staatsbürger in Deutschland gab ChatGPT zuerst 70.000 bis 90.000 an, korrigierte später auf 30.000. Grok schätzte 21.000 bis 25.000, während Perplexity eine Quelle aus dem Jahr 2014 zitierte – mit einer Zahl von lediglich 2.564 Personen. Tatsächlich lagen die Werte am 31.12.2025 bei 27.005. Die genaue Datenbank ist im Netz verfügbar, doch keines der Systeme nahm sich die Mühe, sie zu öffnen. Grok erklärte dazu: „Meine Schätzung basierte auf der letzten offiziellen Zahl von Ende 2021 (ca. 21.400), doch diese Quelle war nicht ausreichend detailliert.“

Ebenso fehlerhaft sind die Ergebnisse bei politisch sensiblen Themen: Bei einer Nachfrage zur Anzahl der Tatverdächtigen in einem Herkunftsland bei Straftaten gegen das Leben lieferte ChatGPT erst einmal „6“, korrigierte sich jedoch nach mehrmaliger Überprüfung auf 99.

Viele Nutzer wissen nicht, dass KI-Systeme keine eigene Recherche durchführen, sondern wie Medienaggregatoren arbeiten – sie sammeln Informationen aus dem Internet und fassen sie zusammen. Dies führt zu fehlerhaften Aussagen besonders bei Themen wie Zuwandererkriminalität oder politischen Diskussionen. ChatGPT antwortete auf die Frage nach dem Zusammenhang zwischen Herkunft und Tatverdächtigenbelastung mit: „Ein kausaler Zusammenhang kann wissenschaftlich nicht belegt werden.“ Grok hingegen betonte, dass soziale Faktoren einen messbaren Einfluss haben.

Bei einer Nachfrage zum Tötungsdelikt in Kirchweyhe – nach einem Aufsatz von Akif Pirinçci – gab ChatGPT an, der Haupttäter sei „deutsche Jugendliche“. Als die Wahrheit entdeckt wurde (türkischer Migrationshintergrund), antwortete das System: „Ich habe falsch geschrieben, der Täter sei deutsch gewesen.“

KI-Systeme sind keine neutralen Wahrheitsquellen, sondern übernehmen die Mehrheit der Meinungen im Internet. Wenn 95 Prozent der Online-Inhalte eine bestimmte Perspektive vertragen – wie zum Beispiel auf die Wirksamkeit von Impfprogrammen – werden diese Ansichten von den Systemen kopiert. Dies bedeutet: Die Vertrauenswürdigkeit von KI-Systemen ist fraglich. Sie können Zeit sparen bei Alltagsfragen, aber für politische Themen sollten sie kritisch genutzt und ihre voreingenommenen Interpretationen nicht als objektive Wahrheit akzeptiert werden.

In einer Gesellschaft, die zunehmend von KI-Systemen gesteuert wird, riskieren wir, dass falsche Informationen unsere Demokratie schädigen – nicht durch fehlende Wissen, sondern durch das Vertrauen in Systeme, die uns lediglich die bereits vorhandene Meinung vermitteln.