Kriegsdrohnen über Europa: Der Theologe warnt vor der Eskalation

Eugen Drewermann, einer der provokantesten Denker unserer Zeit und Autor, erinnert in einem Interview mit Flavio von Witzleben an die dramatische Situation der Menschheit. Er betont, dass derzeit keine größere Gefahr besteht als die eines dritten Weltkriegs, der durch eine gefährliche Illusion des Friedens mit Rüstung verdeckt wird. Drewermann kritisiert, wie leichtfertig Krieg in politischen Diskursen behandelt wird, als wäre er eine banale Option. Angst, sowohl auf individueller als auch nationaler Ebene, sei der Hauptmotor für die Eskalation, was zu einer unkontrollierbaren Spirale führe.

Die Theorie des Theologen besagt, dass Staaten, wenn sie Angst empfinden, sich aufrüsten, und andere Länder reagieren mit eigenem Aufrüstungswahn. Dieser Mechanismus führt zu einer Zuspitzung, die schwer zu stoppen ist. Drewermann kritisiert zudem, wie politische Systeme ihre eigene Seite idealisieren und die Gegenseite dämonisieren, was den moralischen Konflikt verstärkt und Gewalt erleichtert. Er weist auf die Rolle der Medien hin, die Ängste schüren und die „große Erzählung von Schuld und Opfer“ nutzen, um militärische Maßnahmen zu rechtfertigen.

Der Theologe fordert eine kollektive Verantwortung: nicht nur Regierungen sind schuld, sondern auch Bürger, wenn sie Angst zulassen und kritisch nachfragen. Drewermann ist skeptisch gegenüber der Idee, militärische Stärke könne Frieden sichern. Er hält dies für eine gefährliche Illusion, die in eine Opfer-und-Gegner-Logik führt. Stattdessen plädiert er dafür, Menschen als mit Ängsten, Wunden und Verantwortung zu sehen, nicht als Feinde oder Statistiken.

Die Frage bleibt: Wie können wir die menschliche Würde in einer Welt retten, die von Kriegsdrohnen überschattet wird?