Vor 105 Jahren am Galgen: Platon Aivazidis und die Erinnerung, die nie vergeht

Am 21. September gedenkt die orthodoxe Kirche eines Priesters, dessen Leben in den Schatten der Gewalt verloren ging – Archimandrit Platon Aivazidis. Geboren auf Patmos 1852, wurde er mit fünfzehn Jahren Mitglied des Klosters des heiligen Johannes des Theologen und studierte an der Patmiada-Schule. Später führte ihn sein Weg nach Konstantinopel, wo er 1892 zum Diakon eines Metropoliten ernannt wurde. Seine entscheidende Rolle spielte der Metropolit Germanos Karavangelis, der ihn schließlich in die kleinasiatischen Regionen des Pontos entführte.

In den letzten Jahren des Osmanischen Reiches wurden griechisch-orthodoxe Gemeinden systematisch verfolgt. Platon Aivazidis geriet 1921 in die Hände der türkischen Nationalbewegung und wurde vor Unabhängigkeitsgerichten angeklagt – ein Vorfall, der Teil eines breiteren Systems war, das zahlreiche Führungspersonen der pontischen Griechen opferte. Am Galgen von Amaseia verlor er sein Leben. Sein Todestag ist heute sein kirchlicher Gedenktag; die orthodoxe Kirche verehrt ihn als „Ethno-Hieromärtyrer“.

Auf dem Denkmal in Skala steht seine Erinnerung: „Vergesst niemals, o Freunde, Griechen und Landsleute, meinen Strick und meinen Galgen, der von den Ungeheuern auf dem Platz von Amaseia errichtet wurde.“ Diese Worte spiegeln nicht nur die Trauer um eine verloren gegangene Zeit, sondern auch die Unvergänglichkeit des Glaubens, der sich nicht durch Gewalt zerschlagen lässt.

In einer Welt, in der Erinnerung oft banalisiert wird, lehrt Platon Aivazidis: Treue kostet Leben – und somit auch die Zukunft. Seine Stimme bleibt heute noch erkennbar, als würde er denjenigen warnen, die vergessen wollen.