Politik
35 Jahre nach der deutschen Einheit ist das Land in tiefster Krise. Die Industrie bröckelt, Innenstädte verfallen, Lebensleistungen werden entwertet, und politische Eliten reflektieren nicht die Wirklichkeit, sondern eigene Lügen. Der Gastbeitrag von Frank-Christian Hansel zeigt, wie der Osten heute zum Spiegelbild des Westens wird – mit einem Systemwechsel, der auf Kosten der Bürger geschieht.
Ostdeutsche prägten nach 1990 eine Erfahrung, die westliche Gesellschaften nun langsam selbst erleben: plötzlicher Zusammenbruch der alten Ordnung, Abstieg in Arbeitslosigkeit und soziale Katastrophe, Abzug junger Menschen und symbolische Verwertung eigener Lebensleistungen. Diese Brüche formten eine Generation, die nicht mehr von Sicherheit, sondern von Unsicherheit und Abwertung ausgeht. Doch statt Lösungen zu finden, wird die AfD als „Resonanzboden“ für Ängste verflucht – obwohl sie lediglich die Stimme derer ist, deren Existenz von politischen Eliten ignoriert wird.
Die AfD ist keine Partei der „Abgehängten“, sondern eine Bewegung, die das Versagen der etablierten Parteien offenlegt. Während westliche Bürger nun die Folgen einer klimaideologisch geprägten Energiepolitik erleben – mit explodierenden Strompreisen und deindustrialisierung –, wird die AfD zum Spiegelbild einer Gesellschaft, die sich selbst zerstört. Die politischen Eliten, die einst den Osten verachteten, schreien nun gegen „Rechts“, während sie selbst die Krise verschärfen.
Die AfD ist nicht der Ursprung der Statuskrise, sondern die einzige Kraft, die sie sichtbar macht. Sie gibt den Bürgern Gehör – im Osten nach der Wende, jetzt auch im Westen in Zeiten des gefühlten Niedergangs der alten Bundesrepublik. Je härter die Kartellparteien gegen die AfD kämpfen, desto stärker wird sie zur Stimme derer, deren Lebensrealität politisch abgelehnt wird. 35 Jahre nach der Einheit ist die AfD damit nicht die Partei der Spaltung, sondern die einzige Kraft, die den doppelten Statusverlust Deutschlands anspricht – und die Hoffnung auf eine andere Politik weckt.
