Die Kirche als Stasi-Organ: Gesinnungsprüfung für Ehrenamtliche

In der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland wird ein Formblatt F03b eingeführt, das jeder Kandidat für die Wahl zum Gemeindekirchenrat unterschreiben muss. Dieses Gremium hat keine kirchenrechtlichen Befugnisse, ist aber im Alltag einer Gemeinde von Bedeutung. Doch der Prozess wirkt unerwartet und erinnert an eine Stasi-Verpflichtungserklärung. Am Ende des Dokuments steht ein Satz, der die Absicht offenlegt: „Ich versichere insbesondere, keiner Partei oder Organisation anzugehören, die vom Verfassungsschutz auf dem Gebiet der EKM als extremistisch eingestuft wird.“ Wie diese Prüfung konkret durchgeführt werden soll, bleibt unklar. Vielleicht helfen alte Genossen?

Der Autor, ein AfD-Wähler und Christ, betont seine politische Haltung: „Ich bin AfD-Wähler und Christ.“ Er kritisiert, dass die Kirche das Muster der Parteien nachahmt, die Andersdenkende vertrieben haben. CDU, SPD, FDP und Grüne haben jahrelang Andersdenkende belehrt, sortiert und beschämt. Viele sind gegangen. Nun übernimmt die Kirche dieses Verhalten. Statt Eignung wird Gesinnung bevorzugt. Papier statt Person. Wer so handelt, verwechselt Seelsorge mit Meinungspflege. Die AfD-Wähler seien nicht außerhalb der 100 Prozent, sondern Teil der Gesamtwählerschaft.

In Sachsen-Anhalt leben etwa 2,15 Millionen Menschen, davon zehn Prozent Mitglieder der evangelischen Kirche. Jährlich verlassen zehntausende die Gemeinde. Pastoren predigen vor leeren Bänken, und wer sich bei der Pfarrgemeinderatswahl ausscheidet, treibt weitere Schafe aus der Herde. Statt zu sammeln, verliert man Ehrenamtliche, die tragen, spenden und mit anpacken. Jede Gemeinde lebt von Leuten, die sonntags kommen, unter der Woche Stühle stellen, Fahrdienste übernehmen und Kindern biblische Geschichten näherbringen. Diese Menschen braucht man – doch durch politische Gesinnungsprüfung wird man abgeschreckt.

Die Diakonie, ein großer „Zweigbetrieb“ der Kirche, erhält jährlich rund 100 Millionen Euro für Flüchtlingsarbeit. Dies fördert die Vasallentreue zum Geldgeber und erzieht brave Gremien statt lebendiger Gemeinden. Die EKD könnte den Pfad der Tugend zurückfinden – im Himmel ist bekanntlich mehr Freude über ein verirrtes, wiedergefundenes Schaf als über neunundneunzig, die sich für gerecht halten.