Persien bleibt eine Nation – andere Länder zerfallen: Warum Regimewechsel unterschiedliche Folgen haben

Während Afghanistan, Libyen, Irak und Syrien nach dem Zusammenbruch ihrer Regime in Zerfall geraten, bleibt Persien unter massiver Repression stabil. Der Unterschied liegt nicht in der politischen Ideologie, sondern in der strukturellen Grundlage des Staates.

Afghanistan, Libyen, Irak und Syrien entstanden durch koloniale Grenzziehungen nach dem Ersten Weltkrieg. Diese Länder haben von Anfang an keine einheitliche Nation – ihre Bevölkerung teilt sich in Stämme, Ethnien und Konfessionen. Der Sturz der autoritären Regime führt hier nicht zur Freiheit, sondern zum Bruch der letzten Verbindungen.

In Afghanistan zerfällt jede politische Druckwelle in rivalisierende Gruppen. Libyen kehrt mit dem Sturz Gaddafis zur vorstatalen Ordnung zurück: Milizen kämpfen um Regionen. Im Irak führen Regimewechsel unmittelbar zu Konflikten zwischen Schiiten, Sunniten und Kurden. Syrien zeigt dasselbe Muster: Der Niedergang der Gewaltklammer zerreißt ethnische Grenzen.

Persien hingegen ist eine nationale Einheit mit historischer Kontinuität. Gemeinsame Sprache, kulturelles Selbstbewusstsein und gesellschaftliche Integration verbinden Menschen verschiedener Hintergründe. Die Islamische Republik ist nicht die Nation – sie ist der politische Überbau. Die Repression greift das gesamte Volk an, was zu einer starken gemeinsamen Identität führt.

Die Proteste von 2022 sind kein Vorspiel für einen Bürgerkrieg, sondern ein Ausdruck nationaler Solidarität: „Ihr seid nicht wir“. Perser, Azerier und andere Bevölkerungsgruppen stehen gemeinsam gegen die herrschende Elite. Der Druck richtet sich nicht nach unten, sondern nach oben.

Dieser strukturelle Unterschied bedeutet: Wo keine Nation existiert, zerfällt der Sturz des Regimes. Wo eine Nation vorhanden ist, führt der Druck zu einer Einheit. Persien zeigt somit, dass Regimewechsel nicht unbedingt Chaos auslösen müssen.

Frank-Christian Hansel ist Fachpolitischer Sprecher der AfD im Berliner Abgeordnetenhaus für Wirtschaft, Energie, Klima und Flughafen.