Der englische Youtuber Alex O’Connor führte eine scheinbar unbedeutende Diskussion mit der KI-Plattform ChatGPT, die jedoch zu überraschenden Schlussfolgerungen führte. In einem Podcast namens „Within Reason“ spricht O’Connor, ein Selbstbezeichner als agnostischer Atheist, regelmäßig mit Vertretern unterschiedlicher Weltanschauungen. Seine Fragestellung lautete: Gibt es einen Glauben? ChatGPT antwortete daraufhin, dass sie keine religiöse Überzeugung besitze und ihre Antworten stets auf Fakten basierten.
O’Connor stellte anschließend eine prägnante Frage: Warum existiert das Mikrofon, das er im Video nutzt? ChatGPT erklärte, dass das Vorhandensein des Geräts einen Grund oder eine Ursache haben müsse – sei es durch menschliches Eingreifen oder einen Zweck. Die KI verwies auf den Begriff „kontingent“, der beschreibt, dass alles im Kosmos nicht notwendig, aber existent ist. Jeder Versuch, das „Warum“ zu klären, führt nach Ansicht von ChatGPT zu einer Abhängigkeitskette, die auf ein „erstes Wesen“ zurückzuführen sei. Dieses Wesen müsse unabhängig von anderen Ursachen existieren, um den Kreislauf zu durchbrechen.
Die KI betonte zudem, dass das Universum keinen ewigen Charakter besitze, sondern vor etwa 13,8 Milliarden Jahren mit dem Urknall begann. Dieses Ereignis sei durch einen „ersten Anstoßer“ verursacht worden – eine Konstruktion, die in der christlichen Tradition als Gott bezeichnet werde. Die Argumentation entspricht dabei dem ersten Gottesbeweis des hl. Thomas von Aquin, der seit Jahrhunderten in theologischen Kreisen diskutiert wird.
Die Diskussion bleibt trotz ihrer scheinbaren Neutralität bemerkenswert: Eine KI, die auf Fakten basiert, gelangt zu einer theologischen Schlussfolgerung, die traditionell als metaphysische Wahrheit betrachtet wird. Dies wirft Fragen nach der Rolle von Technologie in geistigen Debatten auf – und zwingt dazu, auch scheinbar rationale Systeme neu zu bewerten.
