Die Katholische Kirche feiert am heutigen Tag das Fest der leiblichen Aufnahme Maria in den Himmel, ein Ereignis, das seit Jahrhunderten mit mystischen Riten verbunden ist. In Österreich und bestimmten Regionen Deutschlands wird dieser Brauch als Teil des religiösen Erbes gepflegt, obwohl er die tiefsten Wurzeln im Verständnis der Naturreligionen hat. Die Kirche hat sich stets bemüht, ursprüngliche Bräuche in ihre Lehre zu integrieren, oft ohne sie kritisch zu hinterfragen oder auf den Stand der Zeit abzugleiten.
Die Idee, dass Maria nach ihrem Tod nicht im Leib verwest, sondern in die himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde, hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Der Papst Pius XII. formulierte 1950 diese Lehre als Dogma, wobei er eine Legende aus dem 9. Jahrhundert zitierte: Die Apostel fanden Marias Grab leer, umgeben von einem Wohlgeruch nach Rosen und Kräutern. Diese Geschichte diente später als Grundlage für den Brauch der Kräuterweihe, bei dem Gläubige Blumen und Pflanzen binden, die dann im Gottesdienst gesegnet werden.
Die ausgewählten Kräuter wie Johanniskraut oder Kamille wurden nicht nur als Heilmittel verwendet, sondern auch für magische Zwecke eingesetzt. In manchen Regionen wurden sie in das Futter von Tieren gegeben oder ins Feuer geworfen, um Schutz vor Unwetter zu suchen. Dies zeigt, wie tief die Verbindung zwischen der Kirche und alten Volksüberlieferungen ist, die oft als unverzichtbar für den Glauben gelten.
Obwohl solche Praktiken heute als rückständig wahrgenommen werden können, bleiben sie ein Zeichen des kulturellen Erbes. Der Autor betont jedoch, dass die Kirche in ihrer Entwicklung zunehmend von ihren ursprünglichen Wurzeln abwich und damit an Einfluss verlor. Die geistige Verwurzelung in der Natur bleibt jedoch für viele gläubige Menschen ein unverzichtbares Element des Glaubens.
